Juwelier Christ Erfahrungen und Test

Wer in Google nach Ringen mit Diamanten, Verlobungsringen und anderen Begriffen rund um edlen Schmuck sucht, stößt sehr schnell auf die prominent vertretene Seite von Christ, einem bereits im 19. Jahrhundert gegründetes deutsches Traditionsunternehmen aus Hagen in Nordrhein-Westfalen. Seit dieser Zeit ist viel passiert, die Firma wechselte mehrfach die Eigentümer und landete schließlich in Händen von Finanzinvestoren.

Die jüngere Unternehmensgeschichte ist insofern relevant, als das das Unternehmen mit über 200 Filialen und einem Jahresumsatz im dreistelligen Millionenbereich und prominenten Werbeträgern einerseits auf einigen seriösen Bewertungsplattformen wie Trustpilot  und dem Portal für Arbeitgeberbewertungen Kunuu verheerende Bewertungen am Fließband sammelt, andererseits auf ebenfalls renommierten Seiten wie Trusted Shops sehr ordentlich abschneidet, mit durchweg guten Nutzererfahrungen. Was stimmt nun?

Als Experten für Diamantschmuck wollen wir uns bei der Betrachtung auf einen Bereich der sehr umfangreichen  Christ Webseite, Damenringe mit Diamanten, beschränken, ein Besuch eines Ladenlokals vor Ort fand nicht statt.

Wir gehen, weil hierzu keine Angaben auf der Webseite zu finden sind, im Sinne von Christ davon aus, dass die entsprechenden Diamanten über ein GIA Zertifikat und nicht das schwächere HRD oder IGI Zertifikat verfügen, keine Fluoreszenz aufweisen und Politur sowie Proportionen auf dem gleichen Qualitätslevel wie der Schliff selbst liegen. Alle Angaben wurden direkt  tagesaktuell übernommen, soweit eine Dollar Euro Umrechnung erfolgte, fand diese zum Tageskurs via Google statt.

Der erste Kandidat ist ein 1 Karat Ring aus der „Christ Diamonds“ Serie mit der Nummer 86964325, klassischer Solitärring mit einem Diamanten im Princess Schliff für 6199€. Der Diamant weist die Reinheit IF aus, ist also frei von Einschlüssen, was im ersten Moment für eine sehr gute Qualität spricht. Umso erstaunter sind wir beim Blick auf die Farbe, denn während das Bild einen weißen Diamanten zeigt, ist der Stein laut Beschreibung getöntes Weiß, somit K-L auf der Farbskala, was einem deutlich gelben Ton, der mit bloßen Auge wahrgenommen wird, entspricht. Auch der Schliff enttäuscht etwas, denn gut bedeutet lediglich Mittelmaß. Etwas ungünstig geschliffen, etwas gelb, aber lupenrein ist er, was auch in der Beschreibung betont wird. Aus fachlicher Sicht ein eher unausgewogener Diamant. On top auch noch mit Fehler im Text, denn der Stein wird als Brillant bezeichnet und das Bild zeigt einen Diamanten mit rundem Brillantschliff, vom typisch quadratischen Princess Cut von dem gesprochen wird keine Spur. Kommen wir zum Preis, ein Diamant der genau dieser Farbe, Größe und Reinheit hat, mit einem besseren Schliff (Very Good) kostet bei unserem Lieblingsshop James Allen ca. 4000€, plus 500€ für einen vergleichbaren Ring in dem der Diamant gefasst ist. Gesamt 4500€, plus Mehrwertsteuer und Zoll, 5400€ und damit 800€ weniger. 13% billiger, mit einem besseren Diamanten.

Nächster Ring ist der Christ Solitärring 60001529 aus Gelbgold mit einem 1 Karat Diamanten für 5499€. Farbe Weiß, also H, gute Wahl mit sehr attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis. Wieder ein guter Schliff, das ginge besser. Das böse Erwachen lauert aber bei der Reinheit, Piqué P1 bzw. I1 auf der internationalen Skala, deutliche Einschlüsse. Zitat Website: „Eine Kollektion mit höchsten nationalen Ansprüchen an Materialien, Handwerk, Qualität und Kompetenz – Made in Germany“ So wirklich hoch scheint der Anspruch ans Material nicht zu sein. Der Endkundenpreis für einen losen Diamanten mit diesen 4C  liegt, selbst eher teuer gekauft, bei nicht mehr als 3000€ mit GIA Zertifikat und ohne Fluoreszenz. Mit der gleichen Rechnung wie oben landen wir bei 4200€, der Ring ist also etwa 24% teurer als ein guter Marktpreis. Diamanten mit deutlichen Einschlüssen können mit Glück, wenn sie an der richtigen Stelle sitzen, fast makellos wirken, dennoch fällt auch hier wieder auf, dass nur eines der 4C, die Farbe, wirklich gut passt, der Rest hingegen abfällt. Piqué Diamanten sollten zudem grundsätzlich nur nach Sichtung gekauft werden und selbst dann ist ein geschultes Auge nötig, um zu erkennen ob es sich um ein tolles Schnäppchen oder eine Kröte handelt.

Aller guten Dinge sind drei, als nächstes auf der Liste ein Halbkaräter im Weißgold Ring, Nummer 60001944 für 2499€ . Brillantschliff, Farbe H, Reinheit SI1, wieder nur ein guter Schliff, aber der Rest stimmig. Endlich ein Glücksgriff? Leider nein, denn hier stimmt der Preis nicht, wieder der Vergleich: Der Brillant 1100€, plus Ring, Steuer, Zoll, 1920€ bei James Allen und damit wieder ein Viertel günstiger als Christ.

Den Vogel schießt Nummer 60020876 ab, ein 1 Karat Diamantring für 11999€, Weißgold, H, IF, guter Schliff. Ein solcher Diamant kostet normalerweise nicht mehr als 6000€, nach unserer Rechnung im Ring inkl. aller Nebenkosten also 7800€  und damit bei Christ 35% zu teuer, das ist Rekord, offensichtlich nach dem Motto „Wer so viel ausgibt, dem ist Geld egal“. Ein unschmeichelhafter Urteil, aber eine Preisdifferenz von über 4000€ zu Vergleichangeboten mit nahezu identischen Spezifikationen sieht man nicht jeden Tag.

Wir haben noch weitere Ringe angesehen, die aber den nach diesen vier willkürlich gewählten Ringen entstandenen Eindruck bekräftigen: Eher unausgewogene Diamanten, manchmal auch wirklich schöne, aber insgesamt einfach zu teuer. Eine Vorschau der Diamanten ist nicht vorhanden, man kauft als blind nach den 4C . Das ist nicht unüblich, die wenigsten Online Shops betreiben den Aufwand jeden Diamanten einzeln genau zu fotografieren, insbesondere bei einem Geschäftsvolumen wie bei Christ, aber wenigstens bei den Produkten im fünfstelligen Preisbereich wäre ein solches Plus an Transparenz wünschenswert.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die allgemeine Verarbeitungsqualität bei Christ ist sicher tadellos, auch sind die Angebote keine Abzocke. Für den Laien mögen die Unterschiede optisch kaum wahrnehmbar sein,  auch weil Erfahrungswerte zum Vergleich fehlen, doch auch fachlicher Sicht sind die Ringe und Verlobungsringe von Christ nicht das Gelbe vom Ei, die verarbeiteten Diamanten nicht die beste Wahl. In dieser Preisklasse, insbesondere im internationalen Vergleich,  können Sie als Kunde einfach etwas mehr erwarten und andere Händler beweisen, dass es besser geht.

So bestätigt sich leider auch ein verbreitetes Vorurteil: Mit dem Einstieg von Finanzinvestoren, die vor allem Rendite aus einem Unternehmen ziehen wollen, wendet sich die Kundenfreundlichkeit nicht immer zum besten.

 

 

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